Sagt man „Eventide“, denkt man „die Firma, die digitale Audioeffekte erfunden hat“. Buchstäblich. Denn Eventide ist nicht einfach eines von vielen Unternehmen, die in der Audiogeschichte Spuren hinterlassen haben – es ist das Unternehmen, das diese Geschichte von Grund auf neu geschrieben hat.
Alles begann um 1970 im Keller eines New Yorker Tonstudios in der West 54th Street. Der Toningenieur Stephen Katz, der Erfinder Richard Factor und der Geschäftsmann und Patentanwalt Orville Greene gründeten Eventide aus einem fast lächerlich einfachen Grund: Katz brauchte ein Gerät, das das Band automatisch an eine bestimmte Stelle zurückspult, damit er keinen Bandoperator einstellen musste. Factor baute den Prototyp. Er funktionierte. Die Firma existierte. Niemand ahnte damals, dass dieser Keller das Gesicht der Musik verändern würde.
Der eigentliche Durchbruch kam 1974, als der junge Ingenieur Tony Agnello – buchstäblich unter der Erde arbeitend – ein Gerät fertigstellte, das in der Audiogeschichte keinen Vorläufer hatte: den H910 Harmonizer. Er war der weltweit erste kommerziell erhältliche digitale Audioeffektprozessor und verband Tonhöhenänderung, Delay und Feedback so, dass sich ein völlig neues Klanguniversum öffnete. Agnello wählte die Modellnummer als Hommage an John Lennon – es ist dessen Geburtstag. Der erste Nutzer des Prototyps war Jon Anderson von Yes, der das Gerät in sein Londoner Studio mitnahm und es auf seinem Soloalbum Olias of Sunhillow (1976) einsetzte. Bald war der H910 in den Händen von David Bowie, Brian Eno, Frank Zappa, AC/DC – und in dem Studio, in dem die Stimme von R2-D2 in Star Wars entstand. Bei mehr als der Hälfte der in Los Angeles vertonten Filme stand der H910 oder sein Nachfolger im Scoring-Raum.
Und das war erst der Anfang. 1981 veröffentlichte Eventide den SP2016 – den weltweit ersten vollständig softwarebasierten Multieffektprozessor, mit Hallalgorithmen, Shimmer, Kammfiltern, Reverse-Hall und mehr, die bis heute frisch klingen. Das Gerät war so bahnbrechend, dass sich seine Presets über ROM-Module erweitern ließen – die das Unternehmen prophetisch Plug-ins nannte, zwei Jahrzehnte vor der VST-Ära. 1986 kam der H3000 Ultra-Harmonizer – bis heute als „Heiliger Gral“ der Multieffektprozessoren betrachtet. Steve Vai nutzte ihn so ausgiebig, dass spätere H3000-Versionen eine ganze Bank mit von ihm selbst erstellten Presets enthielten. Der H3000 wurde 2016 in die TEC Awards Hall of Fame aufgenommen.
Eventide blieb nicht bei Rackgeräten stehen. 2008 stieg das Unternehmen mit dem TimeFactor in den Stompbox-Markt ein – dem ersten Effektpedal, das Algorithmen in Studioqualität auf das Pedalboard brachte. Die Factor-Serie (ModFactor, PitchFactor, Space) und das spätere H9 – ein einziges Pedal mit Algorithmen aller früheren Geräte, per Bluetooth steuerbar – revolutionierten die Pedalboards von Gitarristen und Keyboardern weltweit. An der Spitze des heutigen Sortiments steht der H9000 – ein mehrkanaliger Flaggschiff-Prozessor auf ARM-Architektur, konzipiert mit Blick auf künftige Erweiterbarkeit.
Eventide ist die Wahl für alle, die wissen, dass ein „Effekt“ keine Dekoration ist – er ist ein Instrument. Das Unternehmen, das die digitale Audioverarbeitung buchstäblich erfunden hat, steht bis heute an ihrer Spitze.









